Reflux und Sodbrennen gehören für viele von euch zum täglichen, oft zermürbenden Begleiter. Beim brennenden Gefühl in der Speiseröhre, ständigen sauren Aufstoßen oder einem unangenehmen Druck im Magen greift ihr vielleicht schon seit Jahren zu Säureblockern (wie Protonenpumpenhemmern). Doch viele von euch machen rasch dieselbe Erfahrung: Die Tabletten verändern zwar die Säurekonzentration im Magen, das lästige Aufstoßen und das Hochsteigen von Mageninhalt bleiben jedoch bestehen. Warum ist das so? Und wieso liegt die eigentliche Ursache bei Reflux sehr häufig nicht an einer Überproduktion von Magensäure, sondern an einem geschwächten Atemmuskel? Unsere Atemphysiotherapeutin Lena Harzl aus Graz beleuchtet diese Zusammenhänge regelmäßig in ihrer Praxis.
Das eigentliche Problem: Warum Säureblocker die Ursache nicht beheben
Säureblocker erfüllen in erster Linie eine Aufgabe: Sie schalten die Magensäure stumm. Das mildert zwar die Verätzungsschmerzen in der Speiseröhre, löst aber das mechanische Problem nicht.
Um zu verstehen, warum Flüssigkeit und Speisebrei überhaupt nach oben schwappen können, lohnt sich ein Blick auf die Anatomie am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen:
- Der innere Schließmuskel: Der untere Speiseröhrensphinkter ist ein Muskelring, der als Ventil funktioniert.
- Das Zwerchfell als äußere Klammer: Das Zwerchfell (Diaphragma) ist unser wichtigster Atemmuskel. An der Stelle, an der die Speiseröhre durch das Zwerchfell in den Bauchraum tritt, bildet das Zwerchfell eine natürliche, muskuläre Klammer um den Speiseröhreneingang.
Wenn euer Zwerchfell zu schwach ist oder unter dauerhafter Fehlspannung steht, kann diese äußere Klammer nicht mehr richtig schließen. Der Magenmund bleibt spaltbreit offen – und der Mageninhalt schwappt ungehindert nach oben.
Warum verliert das Zwerchfell seine Kraft und Spannung?
Dass das Zwerchfell seine natürliche Verschlussfunktion nicht mehr wahrnehmen kann, hat meist verschiedene Ursachen aus eurem Alltag:
- Flache Brustatmung & Bewegungsmangel: Durch langes Sitzen im Büro, Fehlhaltungen oder mangelnde tiefe Atmung verkümmert die Muskelkraft des Zwerchfells schleichend.
- Chronischer Stress & Anspannung: Dauerhafter Stress versetzt den Körper in eine ständige Alarmbereitschaft. Das führt dazu, dass Zwerchfell und Magen verkrampfen. Ein verkrampfter Muskel verliert seine flexible Anpassungsfähigkeit und kann die Ventilklappe nicht mehr dicht abschließen.
- Erhöhter Druck im Bauchraum: Starkes Pressen, Übergewicht oder zu enge Kleidung drücken den Magen von unten gegen das Zwerchfell und überlasten die muskuläre Barriere.
Die Lösung: Das mechanische Ventil wieder aufbauen
Anstatt das Symptom also nur mit Medikamenten zu überdecken, lässt sich die natürliche Schließklappe zwischen Magen und Speiseröhre wie jeder andere Muskel eures Körpers trainieren. Genau hier setzt die spezialisierte Atemphysiotherapie an.
Über gezieltes Zwerchfelltraining und tiefes, dreidimensionales Atmen stärken wir diese muskuläre Barriere wieder auf ganz natürliche Weise. Das Zwerchfell bekommt seine Kraft und Flexibilität zurück, schließt die Ventilklappe zum Magen wieder richtig ab und stoppt den Reflux rein mechanisch.
„Das ist oft ein echter Aha-Moment für unsere Patienten: Wenn das Zwerchfell wieder richtig arbeitet, braucht es in vielen Fällen gar keine dauerhafte Medikamenteneinnahme mehr, weil die Ursache direkt an der Wurzel gepackt wird.“
— Lena Harzl, Atemphysiotherapeutin bei praxis entero
Der doppelte Pluspunkt: Entspannung für euer Nervensystem
Tiefes und bewusstes Atmen stärkt nicht nur die Muskelstruktur, sondern beruhigt gleichzeitig euer vegetatives Nervensystem. Da Stress ein bekannter Auslöser dafür ist, dass Magen und Zwerchfell verkrampfen, schlagt ihr mit dem Zwerchfelltraining gleich zwei Fliegen mit einer Klappe:
- Mechanische Stabilität: Die Magenklappe schließt wieder dicht ab.
- Nervliche Entlastung: Der Körper schaltet vom Stressmodus in den Erholungsmodus um, wodurch Magenkrämpfe und Druckgefühle nachlassen.
Quelle: envato elements | Rido813 praktische Tipps für euren Alltag
Wenn ihr euer Zwerchfell bereits zu Hause unterstützen möchtet, könnt ihr folgende Übungen und Gewohnheiten in euren Alltag integrieren:
- Die 3D-Flankenatmung:
Legt eure Hände seitlich an den unteren Rippenbogen. Atmet tief durch die Nase ein und spürt, wie sich eure Hände nach außen und leicht nach hinten schieben. Beim langsamen Ausatmen durch den leicht geöffneten Mund fließen die Rippen wieder zusammen. Trainiert dies täglich 5 Minuten. - Entspannungslage bei Stress:
Legt euch flach auf den Rücken und winkelt die Beine an. Platziert eine Hand auf dem Bauch und eine auf der Brust. Atmet so tief ein, dass sich vor allem die Hand auf dem Bauch hebt. Das nimmt die Anspannung aus dem Brustkorb und entspannt das Zwerchfell. - Aufrecht bleiben nach den Mahlzeiten:
Vermeidet es, euch direkt nach dem Essen gebückt hinzusetzen oder hinzulegen. Ein aufrechter Oberkörper nimmt den Druck vom Zwerchfelldurchtritt. Außerdem unterstützt lockere Bewegung die Verdauung, nicht umsonst nennt man es „Verdauungsspaziergang“.
Sodbrennen muss kein Dauerzustand sein!
Sodbrennen und saures Aufstoßen müssen kein Schicksal sein, mit dem ihr euch abfinden müsst. Wenn euch Säureblocker nur bedingt helfen, weil das Aufstoßen einfach nicht verschwindet, könnt ihr durch gezielte Atemphysiotherapie diese Probleme nachhaltig in den Griff bekommen.
Möchtet ihr euer Zwerchfell gezielt trainieren und die Ursache eures Refluxes an der Wurzel packen? Unsere Expertinnen der Atemphysiotherapie begleiten euch in der praxis entero in Graz gerne auf eurem Weg zu mehr Wohlbefinden!




