Wenn die Sommerstrahlung den Asphalt zum Schmelzen bringt und die Nächte keine Abkühlung mehr bringen, läuft der menschliche Organismus auf Hochtouren. Dass anhaltend hohe Temperaturen an den Kräften zehren, habt ihr sicher schon selbst im Alltag gespürt. Doch was passiert dabei eigentlich genau in euren Blutbahnen? Unser Herz-Kreislauf-System bei Hitze ist extrem gefordert, da der Körper die überschüssige Wärme wie eine Klimaanlage nach außen transportieren muss. Warum das so ist und wie ihr euer Herz in Zeiten des Klimawandels effektiv unterstützen könnt, erfahrt ihr in diesem ausführlichen Ratgeber.
Die körpereigene Klimaanlage unter Volllast
Sobald die Außentemperatur steigt, weiten sich eure Blutgefäße in der Haut. Das Blut wird verstärkt an die Oberfläche gepumpt, um über das Schwitzen Wärme abzugeben. Dieser Mechanismus ist überlebenswichtig, hat aber einen hohen Preis: Durch die Weitstellung der Gefäße sinkt der Blutdruck schlagartig. Um die Sauerstoffversorgung eurer lebenswichtigen Organe und des Gehirns weiterhin stabil aufrechtzuerhalten, muss das Herz deutlich schneller und kräftiger schlagen. Die Herzfrequenz steigt spürbar an.
Verliert ihr nun durch starkes Schwitzen wertvolle Flüssigkeit und wichtige Elektrolyte, und vergesst dabei, diesen Verlust zeitnah und kontinuierlich auszugleichen, hat das direkte Folgen für das Blut. Es dickt ein und wird zähflüssiger. Die Fließeigenschaften verschlechtern sich rapide, was die Pumparbeit für den Herzmuskel zusätzlich erschwert und das Risiko für gefährliche Blutgerinnsel drastisch erhöht.
Warum das Infarktrisiko im Sommer steigt
Die Kombination aus eingedicktem Blut, weitgestellten Gefäßen und einer permanent erhöhten Herzfrequenz erklärt, warum an extrem heißen Tagen die Zahl der medizinischen Notfälle nachweislich zunimmt. Eine umfassende Untersuchung der renommierten London School of Hygiene & Tropical Medicine (sowie vergleichbare europäische Registerdaten aus den vergangenen Jahren) zeigt ein klares Bild: Schon ab einer bestimmten, regionalen Schwellenwert-Temperatur steigt das relative Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse pro Grad Celsius Erwärmung signifikant an.
Durch den akuten Flüssigkeitsmangel und die anhaltende Belastung des Kreislaufs kann es bei vulnerablen Gruppen, aber auch bei sportlich aktiven Menschen zu einer Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße kommen. Wenn die elastischen Gefäßwände dem Druck nicht mehr standhalten oder sich ein kleines Blutgerinnsel in den verengten Bahnen festsetzt, droht im schlimmsten Fall ein akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt). Die Hitze wirkt hierbei wie ein Stresskatalysator für bereits bestehende, oft unbemerkt gebliebene Vorschädigungen.
Quelle: envatoelements | LightFieldStudiosDer Klimawandel verschiebt die Risiko-Saison
Die spürbaren globalen und regionalen Klimaveränderungen sorgen nicht nur für intensivere und länger anhaltende Hitzewellen im Hochsommer, sondern verschieben auch die Jahreszeiten. Das bedeutet für euch, dass die Phasen, in denen das Herz-Kreislauf-System bei Hitze massiv beansprucht wird, immer länger werden. Tropische Tage im Spätsommer und ungewöhnlich heiße Phasen im September oder gar Oktober sind in Österreich längst keine Seltenheit mehr und überraschen den Organismus oft unvorbereitet.
„Wir beobachten zunehmend, dass die thermische Belastung für den Körper weit in den Frühsommer und auch in den Herbst hineinreicht“, erklärt praxis entero Leiter Wolfgang Brunner-Fruhmann. „Euer Organismus hat dadurch immer kürzere Regenerationsphasen zwischen den einzelnen Hitzeperioden, was die präventive Kreislaufunterstützung zu einer ganzjährigen, gesundheitlichen Aufgabe für euch macht.“
Der herbstliche Wärmestau ist tückisch, da sich viele Menschen mental bereits auf kühlere Temperaturen eingestellt haben, die Kleidung anpassen und die Flüssigkeitszufuhr unbewusst reduzieren, obwohl der Körper aufgrund der veränderten Wetterlage weiterhin stark gefordert ist. Ähnlich ist es im Frühsommer, wenn es oft schlagartig von einem Tag auf den anderen nicht nur wärmer, sondern heiß wird. Man zieht sich unbewusst noch viel zu warm an und trinkt nicht ausreichend.
So gebt ihr eurem Herzen spürbare Entlastung
Um zusätzliche Belastungen im Alltag effektiv auszugleichen und das sensible System vor thermischem Stress zu bewahren, könnt ihr selbst mit einfachen Mitteln aktiv werden. Das oberste Gebot lautet: Trinkt vorausschauend. Wartet nicht erst, bis sich ein starkes Durstgefühl einstellt, denn dieses ist bereits ein Alarmsignal eures Körpers für einen bestehenden Flüssigkeitsmangel. Am besten eignen sich stilles Wasser, lauwarme und ungesüßte Kräutertees oder stark verdünnte Fruchtsäfte, die dem Körper auch verloren gegangene Mineralstoffe zurückgeben.
Verlegt körperlich anstrengende Aktivitäten wie Sport, schwere Gartenarbeit oder anstrengende Einkäufe konsequent in die kühlen Morgenstunden oder in den späten Abend. Achtet zudem auf eure Ernährung: Leicht verdauliche Kost mit einem hohen Wasser- und Ballaststoffanteil entlastet den Magen-Darm-Trakt spürbar. „Solltet ihr generell wenig Ballaststoffe bisher zu euch genommen habt, dann startet mit kleinen Mengen und erhöht sie langsam mit der Zeit, damit sich eure Verdauung daran gewöhnen kann. Sonst könnten euch Blähungen erstmal einen zusätzlichen Stress machen. Diätologen und Ernährungsberater könnten hier auch eine Hilfe sein.“, erklärt Wolfgang Brunner-Fruhman in diesem Zusammenhang.
Schwere, fettreiche Mahlzeiten hingegen binden für Stunden viel Blut im Verdauungstrakt, das eurem Kreislauf dann für die wichtige Thermoregulation an der Hautoberfläche fehlt.
„Die bewusste Anpassung des Lebensstils an heißen Tagen ist der wirksamste Schutz vor ernsten Kreislaufproblemen“, betont Helene Fetz, cardiorespiratorische Physiotherapeutin bei praxis entero. „Gönnt eurem Körper regelmäßige Ruhepausen, vermeidet plötzliche körperliche Höchstleistungen in der prallen Mittagssonne und unterstützt eure Gefäße durch sanfte Abkühlungen, wie etwa kühle Wadenwickel oder Kneipp-Güsse.“
Quelle: envatoelements | stockassoFindet noch mehr Balance für eure Gesundheit
Es ist wichtig, dass ihr die Signale eures Körpers richtig deuten lernt. Schwindel, extreme Müdigkeit, Kopfschmerzen oder ein Engegefühl in der Brust sind ernstzunehmende Zeichen, dass euer Herz-Kreislauf-System bei Hitze an seine Grenzen stößt. Sucht in solchen Momenten sofort den Schatten auf, lagert die Beine hoch und trinkt schluckweise Wasser. Sollte sich nicht rasch eine Besserung einstellen, ruft euch umgehend über den Notruf Hilfe, vor allem, wenn ihr alleine seid!
Ihr möchtet euer Wissen rund um die Herzgesundheit vertiefen und sucht nach weiteren Tipps für euer tägliches Wohlbefinden? Auf unserer Webseite stehen für euch zahlreiche weitere Artikel zu diesem Thema bereit, die euch helfen, sicher, gesund und vital durch jede Hitzewelle und jede Jahreszeit zu kommen. Speziell die cardiorespiratorische Physiotherapie bzw. Atemphysiotherapie in unsere Praxis in Graz ist der Ansatz für euch, wenn ihr eurem Herz-Kreislauf-System etwas Gutes tun wollt!
Noch mehr exklusive Informationen und wertvolle Ratschläge findet ihr zudem im kostenlosen praxis entero Magazin – dort erwarten euch jeden Monat weiterführende Tipps und verständlich aufbereitete Expertenbeiträge, damit ihr euren Alltag optimal anpassen, Stressfaktoren minimieren und eure Vitalität nachhaltig stärken könnt.




